Zukunftskompetenz erfordert Neues Denken

neues denken

Die The­men des 8. PM Camps Berlin un­ter dem Mot­to Ach­tung. Zu­kunft han­deln von Or­ga­ni­sa­tions­en­twick­lung, Neu­er Ar­beit, Kom­plexi­tät und Pur­pose. Als Zu­kunfts­den­ke­rin und Trans­for­ma­tions­be­glei­ter­in sind es die The­men, die mich be­schäf­ti­gen. Aller­dings gehe ich sie voll­kommen an­ders an als meine Kol­le­gen. Ich be­fas­se mich nicht mit Frame­works, Mani­fes­ten oder Zu­kunfts­trends. Mein An­satz ist das Be­triebs­sys­tem des Den­kens, wel­ches in sämt­lich­en neu­en Me­tho­den und Stra­te­gien un­an­ge­tas­tet bleibt. Es ist der blin­de Fleck ei­ner Welt im Wan­del.


Inhaltsübersicht

There is a vast difference between treating effects and adjusting the cause.

Daniel David Palmer


Was macht Zukunftskompetenz aus?

Komplexität ist das überragende Thema unserer Zeit. Fast könnte man annehmen, die Welt sei früher nicht komplex gewesen. Betriebswirtschaftslehre, Managementtheorie, Personalentwicklung, etc. basieren auf Zielorientierung, Planbarkeit und Effizienz. Diese Strategien haben jahrzehntelang hervorragende Ergebnisse geliefert, indem man Komplexität reduziert hat. Jetzt aber ist es anders, Komplexität zu reduzieren funktioniert nicht mehr und die Palette der Bedürfnisse, die befriedigt werden wollen, ist über materielle Versorgung hinausgewachsen.

Globalisierung und Digitalisierung erfordern neue Strukturen und Schnelligkeit. Themen wie Nachhaltigkeit, Werte, Sinn und Mitbestimmung sind zusätzliche, relevante Ingredienzien für unternehmerischen Erfolg geworden. Zu dem WAS ist ein WIE gekommen, welches nicht mehr auf Effizienz allein abzielt, sondern auch auf Qualität und Mühelosigkeit.

Lange hat es nicht interessiert, wie viele Ressourcen verbraucht wurden, um Ergebnisse zu erzielen. Jetzt werden die Nebenwirkungen mitbetrachtet: Umwelt, Klima und die Ressource Mensch. Zwei Drittel aller Deutschen leiden unter Stress, die Kurve psychischer Erkrankungen steigt seit Jahren und weniger als ein Viertel der Arbeitnehmer verspüren eine emotionale Bindung zum Arbeitgeber.

Unternehmen müssen also einen Weg finden, um Ökonomie und Ökologie zu verbinden. Sie müssen Multikulturalität, Pluralität und Selbstverantwortung von Mitarbeitern integrieren und dabei sinnstiftend agieren. Parallel zu diesen großen Umwälzungen müssen sie auch noch schneller, effizienter und innovativer werden. Das ist eine ganze Menge müssen, die sich mit den bekannten Denkmustern nicht bewerkstelligen lässt. Es steht ein Elefant mit der Aufschrift im Raum Wer sich jetzt nicht wandelt, wird in wenigen Jahren nicht mehr da sein.



Wie entwickelt man Zukunftskompetenz?

Um Zukunftskompetenz zu entwickeln, braucht es ein tiefergehendes Verständnis der Welt, ihrer Komplexität und ihrer Wirkprinzipien. Die sichtbare Welt ist gut erforscht, doch die nichtmaterielle Innenwelt und ihre Funktionalität sind weitestgehend unbekannt.

Ständig werden neue Methoden und Frameworks entwickelt, die versprechen, komplexe Herausforderungen zu lösen, gar Zukunftsicherheit zu liefern – was immer das sein mag. Tatsächlich sind es stets nur Variationen von bekannten Herangehensweisen, denn die zugrundeliegende Denklogik bleibt gleich. Methoden sind mechanistisch, kausal und systemisch. Um Komplexität meistern zu können, bedarf es aber einer metasystemischen Denklogik, welche die Linearität übersteigt und Lebendigkeit integriert. Das ist holistisches Denken.

Verschlimmbesserung

Der Be­droh­ung des Un­ter­gangs durch mang­eln­de An­pas­sung muss be­geg­net werden. Ma­na­ge­ment Evan­ge­lis­ten, Inno­va­tions-Päps­te, Di­gi­ta­li­sie­rungs­gu­rus, Agi­li­täts­ma­ta­do­re, Denk­champions, Or­ga­ni­sa­tions­domp­teu­re, Kul­tur­flüs­ter­er und Mind­set-Ma­gier bie­ten Lö­sung­en. Ob es um sichere Entscheidungen in unsicheren Zeiten geht, die (vermeintlich) einzig praktikable Strategie für komplexe Probleme, Umsatzsicherung in Krisenzeiten, passende Mindsets für neue Organisationsformen oder gar das ganz große Why, das neuerdings PÖRPÖS heißt, sie wissen was zu tun ist, denn sie sind Bescheidwisser. Sie liefern Sicherheit und Orientierung in dieser rauen VUCA-Welt, denn das ist es, was der Kunde will.

Kunden brauchen Sicherheit

Der Kunde will konkrete Ansagen, er muss vorher wissen, was nachher rauskommt, was es kostet, wie lange es dauert und welche Nebenwirkungen es haben wird. Und das bekommt er auch. Egal wie unsinnig es ist, es wird prognostiziert, gemessen und weisgesagt. Berater liefern Modelle, Methoden, Strategien und neuerdings auch Persönlichkeitsbausteine in Trendfarben. Empathie ist wirklich gehabt, jetzt sollte es schon Demut sein. Vertrauen auch, und Offenheit und selbstverständlich Achtsamkeit. Wer 2020 noch kein Achtsamkeitstraining gemacht hat, der trägt bestimmt noch Tennissocken zum Anzug.

Diesen ganzen Zirkus subsummieren wir unter dem Stichwort Passung. Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler, höre ich immer wieder aus Beraterkreisen. Man selbst sei schon viel weiter in der Bewussstseinsentwicklung, aber der Kunde ja nicht. Er brauche diese Krücken / Bausteine / Geländer. Wollen wir es mal so stehen lassen.

Die Ziele sind das Problem

Was Berater und Kunden gleichermaßen nicht bedenken, ist dass es gerade die nicht sichtbaren, nicht messbaren, nicht planbaren Aspekte sind, die das Leben ausmachen. Leben besteht aus konkurrierenden Kräften, aus Wechselwirkungen, Polarität, Komplementarität, Rhythmen, Sprüngen und Bewusstsein.

Es ist so sinnlos und kräftezehrend, die Widersprüchlichkeit zu bekämpfen. Sie ist die Kraft, die Wachstum erzeugt, das ganze Universum ist so entstanden. Man muss die Umstände schaffen, welche die gewünschten Kräfte fördern, nicht die Dynamik lahmlegen. Lebendige Systeme entwickeln sich nicht ins Chaos, sie haben eine innere Ordnung. Wer die inhärente Ordnung versteht und nicht gegen die Natur handelt, der erfährt die Leichtigkeit auf der anderen Seite der Komplexität, welche die Chinesen Wu-Wei nennen.

Der Welt ist es schnurz, welche Vorstellungen wir von ihr haben und dass wir denken, Planbarkeit und Sicherheit seien lebensnotwendig. Es geht nicht darum konkrete Ziele besser zu definieren und sie trotz Komplexität zu erreichen. Es geht darum mit dem Kämpfen gegen die Natur aufzuhören und Komplexität zu nutzen, denn sie ist die Grundlage für ein erfülltes, sinnvolles Leben. Das ist der Paradigmenwechsel.

Paradigmenwechsel – Neues Denken

In der Ent­wick­lungs­ge­schich­te der Mensch­heit hat der Mensch mehr­fach seine Sicht auf die Welt ge­än­dert, in­dem er Na­tur­prin­zi­pien ver­stan­den und in­te­griert hat.

Der Kul­tur­an­thro­po­soph Jean Jean GebserGeb­ser hat be­reits Mit­te des ver­gang­en­en Jahr­hun­derts die Exis­tenz ei­nes Be­wusst­seins be­schrie­ben, das Ra­tio­na­li­tät über­schrei­tet und Spiri­tu­al­ität in­te­griert. Er nann­te die Ent­wick­lungs­stu­fe, die dem men­ta­len Zeit­al­ter folgt, in­te­gral. Das Pen­dant ho­lis­tisch nimmt ex­pli­zit Be­zug auf die Le­ben­dig­keit, die es zu in­te­grie­ren gilt, des­halb ver­wen­de ich die­sen Be­griff.

Was ist Spiritualität und wie kann sie integriert werden?

Spiritualität (von lateinisch spiritus Geist ist laut Wikipedia die Suche, die Hinwendung, die unmittelbare Anschauung oder das subjektive Erleben einer sinnlich nicht fassbaren und rational nicht erklärbaren transzendenten Wirklichkeit, die der materiellen Welt zugrunde liegt.

Eine kognitive, logische oder gar wissenschaftliche Untersuchung des Gegenstands Geist scheint ausgeschlossen, darin sind sich Wikipedia und Gurus aller Coleur einig – doch sie irren. Thomas Metzinger, Philosophieprofessor der Uni Mainz bezeichnet Spiritualität als eine epistemische (erkenntnistheoretische) Eigenschaft von Menschen, die nicht glauben, sondern wissen wollen.

Spiritualität verstehen

Auch ich wollte wissen und die Suche hat sich für mich ausgezahlt, denn ich habe verstanden, was die Welt in ihrem Inneren zusammenhält. Mein Weg hat auch spirituelle Praxis und Erkenntnis beinhaltet, viel entscheidender aber war das umfassende, interdisziplinäre Studium der Wirkprinzipien der Lebendigkeit durch asiatische Philosophie und Kulturtechniken. Lebendigkeit entsteht durch die Wechselwirkungen von Geist und Materie, das Zusammenspiel von Immanenz und Transzendenz. In Deutschland gibt es dafür nicht einmal einen Studiengang.

Die Ursubstanz der Welt ist Energie (Lebendigkeit) und nicht Materie. In dieser Erkenntnis sind sich Mystiker und Quantenphysiker einig. Energetische Felder unterliegen nicht linear-kausalen Zusammenhängen, sondern anderen Wirkprinzipien, wie der Synchronizität.

Weil unser Verstand ein Weltbildapparat mit begrenzter Funktionalität ist, der nur in linear-kausalen Zusammenhängen denkt, können wir die Dimension der Lebendigkeit nicht denken und haben sie deshalb im mentalen Bewusstsein nicht integriert. Die Lösung liegt darin ein Verständnis für die Dimensionsblindheit des Verstandes zu entwickeln, sich bewusst zu machen, dass der Verstand Komplexität ständig reduziert, dass es immer weitere Dimensionen gibt, als wir sinnlich wahrnehmen und gedanklich verarbeiten können.

In der Bekleidungstechnik werden zweidimensionale Stoffe zu dreidimensionalen Kleidungsstücken verarbeitet, indem man Kurven, Falten und Abnäher einbringt. Entsprechend besteht die Aufgabe darin, die vierdimensionale Welt (3x Raum, 1x Raum-Zeit-Kontinuum) um die Dimension Lebendigkeit zu einem holistischen Weltbild zu erweitern, indem man die Linearität des Denkens überschreitet.

Holistisches Denken in der Praxis

Um Komplexität handhaben zu können, müssen Sie die vorgenannten Wirkprinzipien nicht in ihrer Tiefe durchdrungen haben. Für die Bedienung eines PC ist es auch nicht erforderlich, die Technologie eines Computers zu verstehen.

Die wichtigste Erkenntnis ist die, dass Kausalität nur für einen kleinen Teil der Welt das bestimmende Wirkprinzip ist, weil nur etwa 5% des Universums aus uns bekannten Energien und Materie bestehen. Akausalität, die Logik des holistischen Denkens umfasst Kausalität und geht darüber hinaus, indem sie sich bewusst ist, dass wir die meisten Dinge noch nicht verstehen.

Daraus entsteht eine Haltung, die sich bewusst ist, dass alles, was man zu wissen glaubt, im nächsten Moment anders sein kann. Lebenslanges Lernen, aufmerksames Beobachten und kontinuierliches Modifizieren von Verhalten sind die natürliche Konsequenz. Je kurzfristiger Planung gemacht wird, desto besser. Effizienz entsteht durch Dehnungsfugen im Alltag die es erlauben, jederzeit kurzfristig auf Veränderung zu reagieren. Jede Kleinigkeit ist bedeutsam, weil man nicht wissen kann, welche Tiefeneffekte sie auslösen wird. Wer seine Prioritäten mehrmals täglich umschichtet, ist schon nah dran am Flow.

Transformationsprozesse mit holistischen Strategien

Das systematische Scheitern von Change Prozessen beruht darauf, dass die Dimension der Lebendigkeit nicht integriert ist und lineare Strategien in Richtung einer konkreten Zielvorstellung verfolgt werden.

Kultur und Mindsets können nicht mit Methoden verändert werden, weil Methoden einen kausalen Wirkmechanismus verwenden, welcher die innere Dimension der Dinge nicht erreicht.

Veränderung gelingt in der Ganzheit, indem innen und außen aufeinander abgestimmt werden. Das macht man, indem man die Atmosphäre verändert, Blockaden beseitigt, Wünsche der Mitarbeiter umsetzt und eine Vision entwickelt, mit der sich alle identifizieren können. Es ist die Erweckung von Begeisterung, die sich einstellt, wenn Menschen sie selbst sein dürfen und sich verwirklichen können. Diese Begeisterung ist die Sicherheit, die Unternehmen für die Zukunft brauchen. Es sind Mitarbeiter, die brennen und sich engagieren, weil ihre Ideen Gehör finden und sie Bindung und Gemeinsamkeit spüren.

Lebendige Unternehmen surfen durch die Komplexität und dank ihrer Dynamik können sie mit Veränderung locker umgehen. Höhere Freiheitsgrade im Denken führen zur Steigerung der Handlungsvarietät und das bedeutet souveräner Umgang mit Komplexität. Wenn Lebendigkeit fließen kann, stellt sich Sinn von selbst ein. Sinn operationalisieren zu wollen ist unmöglich und Ausdruck der Dimensionsblindheit.

Bei der holistischen Herangehensweise entfallen Kämpfen und Scheitern, denn man jagt nicht einem konkreten Ideal hinterher, sondern holt das Beste aus den vorhandenen Potenzialen heraus. Das Ziel lautet, das beste Unternehmen zu werden, das man sein kann.

Fazit

Zukunftskompetenz besteht darin, mit Komplexität umgehen zu können. Das gelingt mit holistischem Denken, welches die Linearität des Verstandes überschreitet und die Dimension der Lebendigkeit integriert. Indem man versteht, dass Kausalität kein universelles Wirkprinzip ist, öffnet man sich für neue Erkenntnisse über die Welt.

Linear-kausales Denken ist nicht nur für das systematische Scheitern von Change Prozessen verantwortlich, sondern auch für den miserablen Zustand der Welt. Es ist nicht in der Lage, widersprüchliche Ziele zu erreichen und verschiedene Dimensionen zu verbinden. Genau das ist aber die Anforderung einer pluralistischen Gesellschaft mit erwachtem Wertebewusstsein und Sinnbedürfnis.

Wer Zukunft aktiv gestalten und auf Veränderung nicht nur reagieren möchte, braucht ein Verständnis für die Wirkprinzipien des Lebens. Alles Lebendige hat eine innere Ordnung und diese zu verstehen, führt zum souveränen Umgang mit Komplexität.

Bevor Sie also Kultur, Werte- oder Führungsworkshops durchführen, sollten Sie sich beraten lassen, wie diese Dimension funktioniert. Die eigene Denkweise zu ändern ist der einfachste, schnellste und wirkungsvollste Weg zu Zukunftsfähigkeit. Möglicherweise ersparen Sie sich eine kostspielige Umstrukturierung, denn es ist nicht das Organisationsdesign, welches über Zukunftsfähigkeit entscheidet, sondern die Freiheitsgrade des Denkens.


Nur vom Verwandelten können Verwandlungen ausgehen.

Kierkegaard


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