Von Silke Nierfeld | 12.04.2024 | Lesezeit ca. 6 Minuten

Selbst-Sein ist der Schlüssel für Lebensqualität

Die Vorstellung, das Leben mit Zielerreichungslogik steuern zu können, ist wohl die hartnäckigste aller Illusionen; sie liegt den Problemen unserer Zeit zugrunde. Bewusstseinsentwicklung soll die Lösung sein, doch das ist auch nur eine Teilwahrheit. Weder die Weite des Bewusstseins noch die Erleuchtung des Geistes bestimmen über die Tiefe und Sinnerfüllung des Lebens. Worum es geht ist die Frage, obman wird, wer man wirklich ist, denn das kann man sich nicht aussuchen.

Der Abgrund zwischen Existenz und Sein wird überbrückt

The Name of the Game

Entgegen der weit verbreiteten Überzeugung, der Verstand sei ein zuverlässiges Instrument, um die Welt zu erkennen und zu verstehen, ist er in Wahrheit ein Apparat, der die Wirklichkeit verzerrt und überlagert. Er formt das Bewusstsein des Menschen, das Filtersystem, durch das alle Informationen selektiert und modifiziert werden. Die Realität, die der Mensch wahrnimmt, ist ein Spiegelbild seiner inneren Überzeugungen.

Im Stadium der Identifikation mit den eigenen Gedanken – dem Normalzustand einer Persönlichkeit – erfährt der Mensch eine ständige Bestätigung seiner Glaubenssätze, Werte und Ideale, die aus der Überzeugung des Getrenntseins (Dualität) – und nicht der Verbundenheit (Holismus) – stammen. Die Wirklichkeit beruht auf dem Resonanzprinzip, jede Schwingung findet ihre Entsprechung. Es ist ein hoffnungsloser und leidvoller Kampf gegen das Leben.

Die Menschen haben keine gemeinsamen Bezugspunkte. Jeder verwechselt seine Sicht der Dinge mit der Realität und ist von der Gültigkeit seines Wertesystems überzeugt – dabei sind Werte absolut. Die Verwirklichung des Absoluten setzt voraus, dass man die Illusionen des Verstandes und seine dualistische Funktionsweise durchschaut hat. Solange dies nicht der Fall ist, rechtfertigen Werte Ausgrenzung und Abwertung.

Die größten Probleme der Welt sind das Ergebnis des Unterschieds zwischen der Funktionsweise der Natur und der Denkweise der Menschen.

Gregory Bateson

Die Lösungen sind das Problem

Das Erfolgsnarrativ unserer Zeit ist eine Selbsttäuschung. Prestige, Karriere, Wohlstand und Macht bedeuten keineswegs ein glückliches, sorgenfreies und erfülltes Leben. Selbstwert oder Liebe durch Leistung und Besitz erwerben zu müssen und von der Bestätigung anderer abhängig zu sein, ist deprimierend. Es ist eine Sisyphusarbeit, ein Hamsterrad.

Der Wunsch nach Veränderung ist groß, aber Veränderungsstrategien scheitern zuverlässig, sowohl im persönlichen als auch im organisationalen Kontext. Das ist nicht verwunderlich, denn sie basieren auf der gleichen Logik, die die Probleme überhaupt erst hat entstehen lassen: der Machtlogik des Verstandes. Sie trennt die Dinge in Subjekt und Objekt, Gut und Böse, Ich und Nicht-Ich, während die Wirklichkeit ein untrennbarer, dynamischer Prozess ist.

Das Gesetz des Ausgleichs besagt, dass jede Kraft ihre Gegenkraft erzeugt. Die radikalen Parteien, die Demokratien in der ganzen Welt gefährden, sind Folge der gesellschaftlichen Polarisierung auf Erfolg, Macht und Bescheidwisserei. Das trennende Denken des Verstandes erzeugt die Probleme, die zu lösen es beabsichtigt, weil es nicht mit der Funktionsweise der Natur übereinstimmt.

Menschen sind bipolare Körper-Seele-Wesen, die Sehnsucht nach Sinn und Verbundenheit mit etwas Höherem ist immer vorhanden. Aber das Höhere ist absolut und der Verstand im Relativen verankert. Die Identifikation mit den eigenen Gedanken und Erfahrungen (Psyche) unterbindet den Seelenkontakt. Gehemmtes Seelenleben äußert sich in Stress, Krankheit, Krisen und Verzweiflung. Das kann man nicht ignorieren, die Seele geht nicht weg.

Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.

Albert Einstein

Wissen, Weisheit und Verstehen

Es ist hilfreich, die Unterschiede zwischen den Begriffen Wissen, Weisheit und Verstehen zu betrachten: Wissen bezieht sich auf Fakten. Es betrifft die materielle Seite des Entwicklungsgeschehens, die Form und Struktur der Dinge, die KI schon bald besser analysieren und steuern kann als der Mensch.

Weisheit bezieht sich auf die Entwicklung des Lebens innerhalb der Form. Da sie sich nur auf das Wesentliche – und nicht auf die Dinge selbst – bezieht, ist sie ein intuitives Erfassen der Wahrheit, unabhängig von verstandesmäßigen Urteilen. Die Zusammenhänge sind weder kausal noch logisch, sie überschreiten Raum und Zeit. Sie können mit mentalen Denkstrukturen nicht erfasst werden, denn diese sind immer relativ. Es braucht die Befreiung von allen Konditionierungen des Denkens – das geistige Bewusstsein oder Second-Tier Denken.

Wissen ist analytisch und zerlegend, es objektiviert. Weisheit ist synthetisch und integrierend, sie subjektiviert und harmonisiert. Wissen trennt und unterscheidet, während Weisheit verbindet und vereint.

Verstehen ist die kohärente Integration von Wissen und Weisheit, die es ermöglicht, die Welt auf einer tieferen Ebene zu erfassen. Dort gibt es keine Trennung zwischen Innen- und Außenwelt, dem Begrenzten und dem Unbegrenzten, Ich und Nicht-Ich. Alles ist Schwingung, Energie und Information.

Das Verstehen des Lebens erfordert Wissen und Weisheit

Was muss sich ändern?

Zynisch formuliert bedeutet die rationale Zielerreichungslogik, mit schlechten Zeiten gute erreichen zu wollen. Das würde Sinn ergeben, wenn man Glück skalieren könnte. Kann man aber nicht. Es gibt nur jeden einzelnen Moment. Nichts lässt sich nachholen, nichts wiedergutmachen und niemand weiß, wie viel Zeit ihm noch bleibt. Der Weg ist das Ziel, ist nicht nur eine Glückskeks-Weisheit.

Alle Wirklichkeit ist subjektive Erscheinung. Was dem einen wohltut, ist dem anderen ein Gräuel. Objektive Maßstäbe sind nur Perspektiven auf die Formwelt, sie wissen nichts von der Lebendigkeit in ihr, die das Wesentliche ist. Das Wesentliche ist der objektivierenden Denkweise des Intellekts nicht zugänglich, und darin liegt die Krux.

Objektivierendes Denken trennt die Menschen von der geistigen Ursprungsebene. Sie sind sich nicht bewusst, dass das Geistige keine Glaubensfrage – sondern integraler Bestandteil des Lebens ist. Weil Menschen unwissend über die transzendente Wirklichkeit sind, verletzen sie deren Gesetzmäßigkeiten und kämpfen an den falschen Fronten. Sie schaden sich, anderen und der Umwelt.

Die wahre Dualität ist nicht die zwischen Gut und Böse, sondern die zwischen dem Relativen und dem Absoluten. Hinter jeder Erscheinung der physischen Welt steht ein geistiges Prinzip, das ihre wahre Natur ist. Alles Endliche strebt danach, ein Unendliches auszudrücken, das seine ei­gent­li­che Wahrheit ist. Ohne die absolute Ursachenebene bleiben Lösungen auf der Symptomebene und das Wesentliche geht verloren – die aktuellen Probleme unserer Zeit beweisen es.

Liebe, Frieden und Glück sind Geisteszustände, die unter allen Umständen und zu jeder Zeit verfügbar sind. Sich des geistigen Primats bewusst zu sein, ist eine ganzheitliche Haltung, die keine andere Möglichkeit zulässt, als immer im Sinne des Ganzen zu denken und zu handeln – und das ist der Game-Changer. Der Schlüssel dazu liegt in der Identifikation als seelisches Wesen.

Die Seele ist kein Ding, sondern das Sein in der Welt. Diese Seele ist kein endgültiger Zustand, sondern ein Werden, Entfaltung, Entwicklung.

Erwin Ringel

Das Wesentliche

Das wahre Wesen des Menschen ist von ganz andere Art als die menschliche Natur. Das seelische Wesen bildet sich um den individuellen Ausdruck des Göttlichen in jedem Lebewesen, die Seele. Sie besteht aus Licht und Liebe und ist frei von Angst und Mängeln. Weil dieses Wesen mit einem tieferen Bewusstsein vorhanden ist, kann der Mensch sich wandeln.

Die Seele komponiert und dirigiert das Leben, deshalb bestimmt das Zusammenspiel zwischen der seelischen Eigenart und ihrer Verwirklichung durch die Persönlichkeit die Lebensqualität. Solange man sich seiner Seele nicht bewusst ist, findet die Kommunikation über das Wohlbefinden statt; das seelische Wesen steht hinter der Physis, dem Vital und dem Mental und stützt sie.

Wenn man nicht in der Wahrheit seiner Seele ist, entsteht Unbehagen; das geschieht auch durch selbstabwertende Gedanken. Weicht die Lebensweise zu sehr von dem ab, was sich die Seele für dieses Leben vorgenommen hat, erzeugt sie Krisen, damit die individuelle Lebensaufgabe noch erfüllt werden kann. Sich seiner Seele bewusst zu sein – und von ihr geführt zu werden – ist die tiefste Freude, die man sich vorstellen kann.

Das seelische Wesen ist im Unbegrenzten und Unbestimmten zu Hause. Es braucht keine materielle Sicherheit, keine Zukunftsplanung, keinen Erfolg. Es will reifen, wachsen und seine Bestimmung erfüllen; dafür benötigt es bestimmte Erfahrungen, die seine Tugenden fördern, denn diese erhöhen die Schwingung für seinen Aufstieg.Alles Leiden entsteht durch den Widerstand, den Menschen diesen Erfahrungen entgegenbringen.

Es gibt 7 Ebenen der Wirklichkeit mit unterschiedlichen energetischen Qualitäten

Menschen sind nicht ihre Körper, Gefühle, Gedanken, Erfahrungen. Sie sind das innere Licht, die unbegrenzte Seele, die diese Erfahrungen machen will.

Zu erkennen, dass es eine weitere Dimension gibt, die einen ausmacht, dass man mehr ist als das Drama, das man erlebt, ändert alles. Es bewirkt eine neue Qualität des Verstehens und Fühlens, eine buddhische Gelassenheit, die von mentalen und emotionalen Konditionierungen befreit.

Den Sinn erhält das Leben einzig durch die Liebe. Das heißt: Je mehr wir zu lieben und uns hinzugeben fähig sind, desto sinnvoller wird unser Leben.

Hermann Hesse

Changing the Game

Die wichtigste Kompetenz für ein erfüllendes Leben ist die Fähigkeit zwischen Wirklichkeit und Gedanken zu unterscheiden. Das Wirkliche ist absolut und bedingungslos, die Gedanken sind relativ und konditioniert. Gedanken sind immer nur Perspektiven, Interpretationen, Teilwahrheiten. Das begriffliche Denken ist nicht in der Lage, die Welt als ein universelles Fließen von Ereignissen und Prozessen anzusehen. Weil die Seele kein Ding sondern das Sein ist, hat ihre intuitive Wahrnehmung das größte Wahrheitsverständnis.

Die Denkweise, die auf der geistigen Ursachenebene basiert, ist das Second-Tier Denken. Es setzt einen Entwicklungsprozess voraus bei dem die Seele bereits zum Zentrum des Bewusstseins geworden ist. Holistisches Denken ist eine Brücke zwischen Verstand und geistiger Wirklichkeit und befähigt ebenfalls zum souveränen Umgang mit Komplexität.

Das Wesentliche drückt sich in Lebendigkeit aus. Diese Lebendigkeit zu fokussieren und zu fördern, ist die smarteste Form von Effizienz. Energetische Prinzipien berücksichtigen die Individualität des Einzelnen, um das harmonische Zusammenspiel des Ganzen zu bewirken. Wir wenden sie in jedem Kontext an: Business und privat, Individuen und Belegschaften.

Die Energie folgt der Aufmerksamkeit. Die Ausrichtung auf die Harmonie mit dem Ganzen, in der die Mühelosigkeit liegt – die die Chinesen Wu-Wei nennen – entzieht dem Monkey-Mind seine Macht. Hingabe an das, was man tut, ist mindestens so kraftvoll wie Meditation, um die Selbstvergessenheit zu erreichen, die Glück bedeutet.

Selbsterkenntnis statt Identifikation mit der Wunschnatur ist der Schlüssel zu dem inneren Ort der Ruhe, des Friedens, der Klarheit und der Liebe des wahren Selbst. Diese Entwicklung erfordert die Kultivierung des Selbst, die Meisterung von Gedanken und Gefühlen, damit die Welt ohne Rationalisierung erlebt werden kann, ohne Trennung von Beobachter und Beobachtetem.

In einer Gesellschaft, die im Einklang mit den Naturgesetzen steht, sollte jeder Mensch die Möglichkeit haben, sein wahres Selbst zu entfalten, und das zu tun, was ihm entspricht. Man kann Dinge nur dann gut machen, wenn man sie auf seine eigene Art und Weise und in seinem eigenen Rhythmus (Mojo) tut. Die Methoden, Best Practices, Tricks und Hacks sind nur Mind-Games, ihnen fehlt jedes Verständnis für die Tiefe und Subjektivität der Wirklichkeit.

Alle Impulse, die aus der Seele kommen, sind auf das rechte Bewusstsein, bedingungslose Liebe und aufrichtiges Selbst-Geben ausgerichtet. Die Leichtigkeit des Seins hat nichts mit Work-Life-Balance zu tun, sondern damit, ob die Handlungen aus der Seele oder der Persönlichkeit stammen. Je mehr seelenbewusste Menschen es auf der Welt gibt, desto mehr Friedensstifter haben wir, denn nur das Ego kämpft, die Seele wandelt.

Fazit Changing the Game

Die größten Probleme unserer Zeit beruhen auf der dualistischen Denklogik des Verstandes. Dieser spiegelt jedoch nur seine eigene Funktionsweise und nicht die Wirklichkeit. Ganzwerden, die Entfaltung des wahren Selbst und die Anpassung der Lebensumstände an die Ziele der Seele sind die Strategien, die dem Leben Tiefe und Fülle verleihen.

Der Verstand ist durch ein kaskadierendes Abwehrsystem geschützt, deshalb scheitern Veränderungsprozesse mit rationalen Logiken zuverlässig. Unser holistisches Change Management macht die Seelenebene bewusst und transformiert den Alltag von Menschen und Organisationen. Mit der gruppenbewussten Seele wandelt sich die Kultur, wird Arbeit zum Selbstausdruck und das Leben findet eine neue Qualität von Sinnhaftigkeit und Lebensfreude.