Holis­tisches Den­ken ist Zu­kunfts­kom­pe­tenz

holistisches denken

Holis­tisches Den­ken ist die mul­ti­ple In­telli­genz der See­le, eine neue, meta-systemische Abstraktionsstufe des Denkens. Verstand und Geist werden nicht mehr abwechselnd verwendet, wie es Konzepte von Meditation und Achtsamkeit tun, sondern in einer multi-dimensionalen Denklogik verwoben, welche die Viel­schich­tig­keit und Le­ben­dig­keit der kom­plex­en Welt er­fas­st und synergistisch nutzt.

Inhaltsübersicht
Die Probleme unserer Zeit - Produkte des rationalen Denkens
Denken 1.0 – Rationales Denken
Denken 2.0 – Systemisches Denken
Denken 2.5 – Meta-systemisches Denken
Geist – Die trans-rationale Intelligenz
Denken 3.0 – Die multiple Intelligenz der Seele

Die Pro­ble­me un­se­rer Zeit - Pro­dukte des ra­tio­na­len Den­kens

Die gra­vieren­dsten Pro­ble­me in der Ar­beits­welt und im pri­va­ten Le­ben von Men­schen hei­ßen VUCA (Ver­än­der­lich­keit, Un­sicher­heit, Kom­plexi­tät und Am­bi­gui­tät), Stress und Sinn­fin­dung. Die­se Pro­ble­me las­sen sich mit dem Ver­stand al­lein nicht lö­sen, weil sie erstens viel­schich­tig sind und Wur­zeln in Di­men­sio­nen ha­ben, die der Ver­stand nicht er­rei­chen kann. Zweitens werden sie überwiegend durch die Denkweise des Verstandes erzeugt.

Das ra­tio­na­le Den­ken hat Schwä­chen, von de­nen zwei be­son­ders her­vor­tre­ten: Es ist nicht in der La­ge wi­der­sprüch­li­che Zie­le zu er­rei­chen, bei­spiels­wei­se Öko­no­mie und Öko­lo­gie zu ver­bin­den, um Klimawandel und Ressour­cen­ver­brauch zu stop­pen. Es kann au­ßer­dem nicht mit un­ter­schied­li­chen Pers­pek­ti­ven und Wahr­hei­ten um­gehen, es gibt kei­nen kons­truk­ti­ven Um­gang mit Di­ver­si­tät.

Die Lö­sung je­des kom­plex­en Pr­oblems liegt auf ei­ner kom­plexe­ren Stu­fe, das ist ge­mein­sa­me Er­kennt­nis von Ky­ber­ne­tik und Be­wusst­seins­for­schung. Es geht jetzt al­so da­rum das Den­ken zu ver­än­dern, um die Pro­ble­me lö­sen zu kön­nen, die das ra­tio­na­le Den­ken her­vor­bringt. Zuerst schauen wir auf die Entwicklungsgeschichte des Denkens:

Denken 1.0 - Rationales Denken  

Be­vor Men­schen ra­tio­nal dach­ten, ha­ben sie sich die Welt ma­gisch und später mythisch er­klärt. Mit Entwicklung des Bewusstseins richtete sich das Denken auf Dualität und Objektbezogenheit aus. Schließlich wurde das Ur­sache-Wir­kung-Prin­zip verstanden und metho­disch genut­zt. Al­le Me­tho­den ver­wen­den ein be­stimm­tes Wirk­prin­zip, ei­ne Me­cha­nik. Wenn A, dann B.

Aller­dings ist Kom­plexi­tät da­von ge­kenn­zeich­net, dass ge­nau das nicht funk­tio­niert, dass es nicht mög­lich ist Ursache und Wirkung zu definieren, weil die Dinge auf unbestimmt vielen Ebenen wechselwirken. Des­halb kann KEINE Me­thode eine Ant­wort auf Kom­plexi­tät sein, auch keine agi­le. Hier fin­den Sie un­se­re Ar­ti­kel, wa­rum Agi­li­tät kei­ne funk­tio­na­le Zu­kunfts­stra­te­gie ist und Beyond agile - warum neue Software nichts nützt, wenn das Betriebssystem veraltet ist. 

Den­ken 2.0 – Sys­te­misches Den­ken 

In den fünf­zi­ger Jah­ren des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts ent­deck­te man, dass Ver­hal­ten nicht nur durch die Wir­kung von Rei­zen auf die Per­sön­lich­keit ent­steht, son­dern auch durch Wech­sel­wir­kun­gen mit den um­ge­ben­den Sys­te­men. Den­ken 2.0 ent­stand, die Ab­strak­tions­stu­fe, wel­che die Funk­tions­wei­se von Sys­te­men ana­ly­siert.

Die Steu­er­ung von Sys­te­men ba­siert da­rauf, dass man ei­nen Soll-Zu­stand de­fi­niert, den das Sys­tem ide­aler­wei­se kon­stant hal­ten soll. Bei Ab­wei­chung greift ein Steuer­ungs­sy­stem re­gu­lie­rend ein. Weil komplexe (lebendige) Systeme neue Eigenschaften und Strukturen entwickeln, die sich nicht auf die Ei­gen­schaf­ten der Sys­tem­ele­men­te zu­rück­füh­ren las­sen, ist auch sys­te­misches Den­ken un­ter­kom­plex für die VUCA-Welt. 

Den­ken 2.5  Meta-sys­te­misches Den­ken 

Mit der in­te­gra­len Theo­rie ent­fal­te­te sich ein neu­er An­satz. Auf­bau­end auf der For­schung des ame­ri­ka­nisch­en Psy­cho­lo­gie­pro­fes­sors Clare W. Graves ent­deck­te man die spi­ral­för­mi­ge und hier­ar­chi­sche Struk­tur, mit der sich Denk­wei­sen und Welt­sich­ten ent­fal­ten. Je­de hö­he­re Ebe­ne um­schließt die vor­he­ri­gen Stu­fen und er­wei­tert sie.

weltsichten nach gravesMan stel­lte fest, dass sich ei­ne neue Ka­te­go­rie von Be­wusst­sein ent­wi­ckelt hat, die als Second-Tier Den­ken be­zeich­net wird.  Gel­be Den­ker se­hen das gan­ze Sys­tem und wert­schät­zen un­ter­schied­li­che Pers­pek­ti­ven. Sie ver­mö­gen Pers­pek­ti­ven zu ver­bin­den, wo­durch sich kom­ple­xe Pro­ble­me fried­lich lö­sen las­sen. Di­ver­si­tät wird in­te­griert – das ist ein ge­wal­ti­ger Sprung in der Ent­wick­lungs­ge­schich­te, aber noch nicht ge­nug, um al­le vor­ge­nann­ten Pro­ble­me lö­sen zu kön­nen.


Geist –  Die trans-rationale Intelligenz  

Geist als Di­men­sion des Den­kens liegt jen­seits un­se­res Ver­stan­des, er ist trans-ra­tio­nal und da­mit nur den­jen­ig­en zu­gäng­lich, die den Verschluss des Verstandes durchbrochen haben und sich auf ei­ner hö­he­ren Be­wusst­seins­stu­fe be­fin­den. 

Geist ist ei­ne an­de­re Di­men­sion als Raum und Zeit, des­halb gel­ten für den Geist an­de­re Na­tur­ge­set­ze. Die Lo­gik des Geis­tes ist zir­ku­lär, al­les ist sich Ur­sache und Wir­kung zu­gleich. Das zen­tra­le Wirk­prin­zip des Geis­tes ist nicht Kau­sa­li­tät (Ur­sache-Wir­kung) son­dern Syn­chro­ni­zi­tät, die Ko­hä­renz (Stim­mig­keit) von in­nen und au­ßen.
 
Die Welt des Geistes erfreut sich immer größere Beliebtheit als Quelle von Erholung und Stressreduktion. Achtsamkeitstrainings sind in der Lage den Verstand zeitweilig verstummen zu lassen, ein paar der ca. 50.000 Gedanken, die das Gehirn täglich produziert zu unterdrücken. Konzerne wie SAP oder Google gönnen ihren Mitarbeitern diese Trainings, weil sie Gesundheit und Leistungsqualität stabilisieren.

Allerdings ist die zeitweilige Nutzung des Geistes noch nicht der Weisheit letzter Schluss. Geist hat die Fähigkeit unmittelbar und mehrdimensional die Ganzheit von Systemen zu erkennen, was der Beschreibung von souveränem Umgang mit Komplexität schon sehr nahe kommt. Er sollte also unser dominantes Intelligenzsystem sein. 

Woran liegt es aber, dass wir Menschen mit ausgeprägtem geistigem Bewusstsein überwiegend sitzend und lächelnd in Sanghas und Satsangs sehen, nicht aber als führende Köpfe in Politik oder Wirtschaft? (der Dalai Lama ist bereits auf einer höheren Stufe, er ist nicht gemeint)   

Die geistige Dimension hat keine Zielgerichtetheit, alles ist gut und richtig, so wie es ist. Der Geist akzeptiert die Welt und lässt alle Konstruktionen des Verstandes, alle Überzeugungen wie die Welt sein sollte hinter sich. Zum Glück hört Entwicklung niemals auf, so dass dieses Problem auf der nächsten Ebene gelöst wird.

Den­ken 3.0 - Die mul­ti­ple In­tel­li­genz der See­le

Wenn die Logiken von Verstand und Geist verschmelzen, entstehen synergistische Effekte. Die All-Verbundenheit des Geistes hat Egoismen jeder Art überwunden und denkt in lebendiger Ganzheit. Geist transzendiert Paradoxien auf einer höheren Ebene und verbindet Gegensätze und Widersprüche. Seine Ausrichtung auf das Wohlergehen aller Lebewesen kann nun durch die Zielgerichtetheit und Effizienz des Verstandes umgesetzt werden. 

Holis­ti­sches Den­ken integriert die Dimension der Lebendigkeit, welche durch die Wechselwirkungen von Geist und Materie erzeugt werden. Lebendigkeit ist eine Energie, welche die Dinge leicht und mühelos macht. Sie zugunsten von Planbarkeit und Sicherheit zu bekämpfen ist wohl das unsinnigste, was Menschen tun können.  

Es mag pa­ra­dox er­schei­nen, dass die Er­wei­te­rung des Blick­win­kels auf das Gan­ze und Be­ach­tung der Viel­schich­tig­keit dazu füh­ren, dass Pro­zes­se effek­ti­ver und effi­zien­ter ab­lau­fen, aber es ist so. Mit holistischem Denken erhalten Veränderungsprozesse eine Gelinggarantie. 

Wer im Ein­klang mit der Na­tur han­delt, der be­wirkt Wan­del, ohne zu kämp­fen. Die Chi­ne­sen nen­nen es Wu Wei, wir nenn­en es holis­ti­sches Change Mana­ge­ment. Selbst­ver­ständ­lich sind Ex­per­ti­se und Er­fah­rung in Orga­ni­sa­tions­ent­wick­lung, Change Mana­ge­ment und Bu­siness Coach­ing auch an Bord, wenn wir Un­ter­neh­men zu innovativen und lebendigen Organisationen transformieren. 


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Literatur

Das Er­wachen der See­le, Gunda Scholdt
In­te­gra­le Spir­itu­ali­tät, Ken Wilber

 

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