Von Silke Nierfeld |19.08.2026 | Lesezeit ca. 4 Minuten
Das Spannungsfeld
Aus der Dynamik dieser Kräfte ist eine transitorische Karriere entstanden: als Projektmanagerin, Philosophin, Unternehmerin, Beraterin und Mentorin. Kontinuierliches Lernen und die Suche nach Wahrheit, sind das, was mich ticken lässt.
Facettenreichtum, Wandlungsfähigkeit und Biss sind Attribute, die mir häufig zugeschrieben werden. Ich habe ein Herz für Nerds (Geist ist geil), alles Schräge und Labradore.
Die Doppelstruktur
Den Entschluss, die Wirklichkeit tiefer zu verstehen, fasste ich bereits als Teenager. Ich erlebte früh, wie viel Reibung das bloße Funktionieren in unseren normalen Verhältnissen erzeugt. Und ich erlebte den Kontrast: Phasen, in denen das Lebendige mühelos floss, obwohl die Umstände dagegen sprachen.
Mir war klar, dass das, was Philosophen als das Wahre, Gute und Schöne bezeichnen, keine Träumerei ist, sondern das härteste und realste Wirkprinzip, das wir haben. Das machte mich hartnäckig in der Frage, wie es sich leben lässt.
Offenheit und Sackgassen
Die Suche nach dieser Antwort wurde zu meinem Lebensthema. Dass es dafür bereits Konzepte geben könnte, kam mir nicht in den Sinn – es war die Zeit vor dem Internet. Ich war damals überzeugt, dass sich jeder Mensch vom ständigen Kämpfen befreien würde, wenn er nur den Weg kennen würde. Das war ein Irrtum.
Also machte ich mich allein auf die Suche. Die esoterische Welt zu durchforsten, war ein mühseliges Geschäft. Meine Fragen nach den zugrundeliegenden Prinzipien wurden in der Regel abgeblockt. Es gehe um Fühlen, nicht um Denken. Eine Wirksamkeit über Placeboeffekte hinaus konnte ich nicht erkennen. Die Vorhersagequote lag nie über dem Zufallsniveau.
Schließlich begriff ich, dass die eigene Wunschnatur und ihre Bedürftigkeit das Problem sind. Dass die De-Identifikation von Gedanken und Gefühlen notwendig ist, um die Wirklichkeit überhaupt entdecken zu können.
Die innere Ordnung der Welt
Durch die daoistische Philosophie und ihre Anwendung im Feng Shui lernte ich einen völlig neuen Zugang zur inneren Struktur der Welt kennen. Es ging nicht um Glauben oder Psychologie, sondern um Naturprinzipien. Diese kennen keine Trennung von Geist und Materie und betrachten Heiliges und Weltliches als ein organisches Ganzes, dessen Wandlungen aus seinem Inneren selbst entstehen.
Endlich begegnete mir eine mühelose Form der Wirksamkeit – und eine Sprache für das Wesentliche: Wie die Dinge außerhalb der engen Grenzen des Verstandes funktionieren. Wie man mit dem Unbestimmten und Unendlichen umgehen kann. Mein Denken veränderte sich zum schöpferischen Second-Tier Denken, in dem Raum und Zeit nicht länger die bestimmenden Faktoren sind.
Die entscheidende Frage
Um mein Thema weiterverfolgen zu können, kristallisierte sich folgende Frage als zentral heraus: Gibt es ein Kriterium, anhand dessen sich Wahrheit von mentaler Konstruktion unterscheiden lässt – jenseits objektiver Überprüfbarkeit? Bevor sich diese Frage für mich klärte, durchlief ich einen Transformationsprozess, der nicht beabsichtigt war. Erst im Nachhinein lässt er sich mit traumatischen Auslösern und spirituellen Konzepten beschreiben.
Diese unumkehrbare Wandlung, die mit massiven körperlichen Veränderungen einhergeht, entsteht nicht aus eigenem Entschluss, muss aber dennoch durchlebt werden. Sie bedeutet das Wegbrechen sämtlicher Überzeugungen und Gewissheiten, die die Welt bislang ordneten und die Persönlichkeit definierten. Das Ergebnis ist kein Aufstieg, sondern das finale Scheitern. Wirklichkeit ist das, was übrig bleibt, wenn alle Illusionen abgebröckelt sind.
True knowledge is not attained by thinking. It is what you are; it is what you become.
Sri Aurobindo
Discernment – die Unterscheidungskraft
Das Durchbrechen des Verstandes lieferte mir das Kriterium: Bedingtheit. Während das Wirkliche die Veränderlichkeit selbst ist und sich unmittelbar vollzieht, erschaffen Denkstrukturen Bedingungen, wie Kausalitäten und die Verräumlichung der Zeit, die als Strecke zwischen zwei Zuständen betrachtet wird.
Mit dieser Gewissheit und meinem radikal veränderten Zeiterleben habe ich mentale und spirituelle Konzepte einer kritischen Prüfung unterzogen. Dabei endeckte ich ontologische Irrtümer, deren Korrektur das Zeitverständnis sowie das Verständnis dessen, was Menschsein bedeutet, revolutionieren.
Wir können unser In-der-Welt-Sein auf sein wahres Fundament stellen, ohne den Entwicklungselitismus von Erwachen und Transzendenz. Alles, was es braucht, ist die Aufgabe einiger Irrtümer.
Mein Ansatz ist eine Weiterentwicklung daoistischen Denkens, der eine lang vermisste Qualität ins Leben bringt: Er macht verstehbar, warum Menschen aus den Anstrengungen, ihre Wünsche zu erfüllen, nicht die erhoffte Erfüllung gewinnen – und wie sie ein Leben führen können, das sich vollkommen richtig anfühlt.
Die Liebe zur Wahrheit
Was ich anbiete, ist pragmatische Philosophie: jemanden, mit dem man Fragen untersuchen und Dinge zu Ende denken kann, ohne eine fremde Wahrheit verkauft zu bekommen oder die eigene verteidigen zu müssen. Ich untersuche die Grundannahmen von Strategien strukturell und benenne ihre jeweiligen Folgen. Was für eine Person richtig ist, ist ausschließlich selbstreferenziell.
Die Funktionsweise des Lebendigen, die sich in Einzigartigkeit ausdrückt, fehlt in all unseren Konzepten – selbst in den Weisheitstraditionen. Etablierte Entwicklungslogiken blockieren die natürlichen Entfaltungskräfte; Steuerungslogiken erzeugen die Probleme, die zu lösen sie beabsichtigen. Ich mache diese Diskrepanz sichtbar und helfe Menschen und Organisationen aus der Ebene ihres Seins zu operieren, in der diese Probleme nicht entstehen.
