Von Silke Nierfeld | 14.04.2024 | Lesezeit ca. 10 Minuten

Der Seelenweg der Einweihungen

Eine Einweihung oder Initiation ist der Eintritt in eine neue Bewusstseinsebene, in ein höheres Schwingungsfeld. Einweihungen sind mit Läuterung gekoppelt, die der Erlangung wahrer Harmonie dienen. Der gesamte Prozess der Selbstverwirklichung ist eine schrittweise Durchdringung der unsichtbaren Lebensprozesse. Dieser Beitrag erläutert die Phasen, Ebenen und Herausforderungen der Selbstverwirklichung

Das Selbst ist immer das Selbst und es gibt keine Möglichkeit, es zu erkennen, es zu erreichen. Wer soll was und wie erkennen, wenn alles, was existiert, das Selbst ist?

Ramana Maharshi

Was ist das Selbst?

Der Mensch identifiziert sein Selbst entsprechend seiner Entwicklungsphase. Er muss lernen, sich nicht mit all dem zu verwechseln, das er nicht ist. Der Verlust des Bewusstseins der wahren Identität ist der Verlust von allem. Alle Einweihungslehren geben dem Schüler die Aufgabe, sich selbst wiederzufinden und zu erkennen.

Das wesentliche Ziel der menschlichen Entwicklung ist die Vereinigung von Seele und Körper. Die Seele ist das Göttliche, individualisiert, ohne aufzuhören, göttlich zu sein. In der Seele sind das Individuelle und das Göttliche ewig eins; die Seele zu finden bedeutet daher, Gott zu finden; sich mit der Seele zu identifizieren bedeutet, sich mit dem Göttlichen zu vereinen.

Die Seele ist das wahre Selbst, die körperliche Form ist das Ausdruckszentrum eines Menschen in Raum und Zeit. Beide zusammen bringen den seelenbewussten Menschen hervor. Man kann sage, dass es die Rolle der Seele ist, ein wahres Wesen aus dem Menschen zu machen.

Der Transformationsprozess

Jeder Mensch befindet sich in dem Transformationsprozess von einem menschlichen zu einem geistigen Wesen – nur die allerwenigsten sind sich dessen bewusst. Wer sich nicht als physischer Körper – sondern als psychisches Wesen identifiziert – hat die erste Einweihung hinter sich und ist auf der Astralebene.

Spirituelles Bewusstsein beginnt, wenn die Seele als wahres Selbst inthronisiert und die Persönlichkeit als ihr Instrument erkannt wird. Dies geschieht bei der dritten Einweihung, die die Bewusstseinsschwelle des Persönlichen überschreitet.

Die drei Entwicklungsphasen der Selbstverwirklichung

I. Persönlichkeit

Die Selbstverwirklichung der Persönlichkeit besteht darin, den Intellekt und die eigenen Stärken zu nutzen, um sich in der Welt zu durchsetzen. Macht, Erfolg, Wohlstand und Ruhm sind die Früchte einer integrierten Persönlichkeit, die sich von anderen abhebt. Aus spiritueller Sicht ist es die Halle der Unwissenheit.

Das Eigenbewusstsein entsteht durch Identifikation mit Gedanken, Gefühlen oder Errungenschaften der materiellen Welt. Es ist ein Stadium der Täuschung, denn der Mensch nimmt nicht die Wirklichkeit wahr, sondern nur die Reaktion auf das eigene Selbst. Die äußere Realität entspricht den eigenen Einstellungen, Maßstäben, Normen und Idealen, weil Gleiches immer Gleiches hervorruft.

Irgendwann endet das Wohlbefinden, das aus der Befriedigung von Bedürfnissen gezogen werden kann. Dann macht sich Ruhelosigkeit breit und die Frage nach dem tieferen Sinn des Lebens wird dringlicher. Die Suche nach dem Selbst und neuen Lebensinhalten wird zum zentralen Thema. Die Halle des Lernens wird betreten.

II. Seele

Die wenigsten Menschen, die auf der Suche nach dem Sinn ihres Lebens sind, kennen den Pfad der Einweihungen. Ihnen ist nicht bewusst, dass sie sich von ihrer Wunschnatur und deren Begehren lösen müssen, um ihr wahres Selbst zu entdecken. Solange Gefühle und Gedanken nicht beherrscht werden, kann das seelische Wesen nicht wahrgenommen werden.

Die Kultivierung des Selbst geschieht durch Läuterung und Hinüberwechseln in einen höheren Bewusstseinszustand. Alle Einweihungen befassen sich mit Energie oder Schwingung.

Die drei Aspekte der Seele sind:

AufzählungszeichenSpiritueller Wille

AufzählungszeichenInuition – Liebe/Weisheit, das Christusprinzip

AufzählungszeichenHöhere Mentalebene

III. ICH BIN Gegenwart

Die Phase der ICH BIN Gegenwart beginnt mit der vierten Einweihung. Sie bezeichnet einen Zustand geistigen Lebens, in dem das Bewusstsein der Individualität vollkommen überschritten wurde. Der Eingeweihte ist eins mit dem göttlichen Sein.

Die drei Aspekte der Monade sind:

AufzählungszeichenGeistiger Wille (Vater)

AufzählungszeichenGeistige Liebe (Sohn)

AufzählungszeichenGeistige Intelligenz (Heiliger Geist)

Karma ist das Gesetz von der Erhaltung der moralischen Energie. Es besagt, dass die Handlungen eines Menschen (Tun und Denken) Wirkungen haben, die ihn in weiteres Handeln verstricken. Diese Kette von Ursache und Wirkung reißt nicht ab, bis der Mensch zu einem folgenlosen Tun gefunden hat.

Sarvepalli Radhakrishnan

Sieben Einweihungen auf dem Seelenweg

#1 Physisch-ätherische Ebene

Vision: Es gibt das Höhere

Mit der ersten Einweihung wird der reine Materialismus überwunden. Der Mensch beginnt, in einer neuen Denkweise zu leben. Besonders deutlich wird der Wunsch, anderen zu helfen und nützlich zu sein, während es vorher um das Überleben des Stärkeren ging. Die erste Einweihung bedeutet die Meisterung des physischen Körpers. Triebe, Begierden und Ausschweifungen müssen beherrscht werden.

Es ist zu beobachten, dass Menschen, die sich der Entwicklung ihres Selbst widmen, beginnen, sich bewusster und gesünder zu ernähren. Die erweiterte Wahrnehmung führt dazu, dass man die unterschiedlichen Schwingungen von frischen und stark verarbeiteten Lebensmitteln, sowie die Auswirkungen von Alkohol, Nikotin und Medikamenten spürt.

#2 Astralebene

Vision: Den eigenen Platz im größeren Ganzen verstehen

Der nächste Schritt ist die Beherrschung des Astralkörpers. Er ist der Träger aller Wünsche, Begierden, Ängste, Fantasien und Vorstellungen, die für die meisten Menschen die Ziele ihres Lebens bestimmen. Der Astralkörper ist ein Wahrnehmungsorgan, das die Wirklichkeit verzerrt und entstellt. Die Aufgabe besteht also darin, sich der Täuschungen und Verblendungen der Gefühlsebene bewusst zu werden und das Bewusstsein in den Mentalkörper zu verlagern. Es darf nur noch das begehrt werden, was dem Ganzen dient. Die zweite Einweihung ist eine der schwierigsten.

Die Befreiung des Astralkörpers von negativen Gedanken und Gefühlen ist Voraussetzung für die Seelenliebe. Diese erzeugen Trennung, die Seele aber ist ein Gruppenwesen, das keine Trennung kennt. Bedingungslose Vergebung ist die Grundlage wahrer Liebe. An die Stelle niederer, persönlicher Wünsche tritt dann der Drang zu dienen, zu lieben und sich spirituell zu entwickeln.

Der Pfad der Prüfungen

Bevor der Sprung von der eigenbewussten Persönlichkeit zum Seelenbewusstsein erfolgen kann, muss der Mensch den Pfad der Prüfungen bestehen. Er ist ein Aspirant, ein Anwärter auf den spirituellen Weg. Es ist eine Phase der Charakterbildung, in der es um Selbsterkenntnis, die Korrektur von Schwächen und die Entwicklung fehlender Anlagen geht. Nur diejenigen Aspiranten, die die Einweihung anstreben, um anderen zu helfen, werden eine Antwort auf ihre Sehnsucht erfahren. Egoistische Motive werden nicht unterstützt, die Einweihung ist der Weg des Dienens.

Die Zeit zwischen der zweiten und dritten Einweihung ist nicht selten von großem Leid und dem Gefühl verloren zu sein geprägt. Das Alte funktioniert nicht mehr, das Neue ist noch nicht kraftvoll. Persönlichkeit und Seele stehen sich gegenüber, das Niedere kämpft gegen das Höhere. Das Denken muss von allen Egoismen und Illusionen befreit werden, die aber Common Sense sind, so dass man ganz auf sich allein gestellt ist.

Wer die Prüfungen besteht und vom Aspiranten zum Schüler wird, spürt einen gewaltigen Energiewechsel. Bislang musste er aus eigener Kraft seine Transformation voranbringen. Nun übernehmen die höheren Kräfte. Das Licht der Seele durchflutet den Menschen.

Die Auflösung der Identifikation mit dem Ego zugunsten des Selbst erzeugt ein spirituelles Ego, das C.G. Jung als nebulösen Supermann bezeichnete. In dieser Phase ist man sich absolut sicher erleuchtet zu sein und die gesamte Menschheit bekehren zu können. Tatsächlich ist man noch nicht einmal auf der rein geistigen atmischen Ebene, denn das erfordert noch ganz andere Opfer.

#3 Mentalebene

Vision: Die Entdeckung der schöpferischen Kraft des Denkens

Die dritte Einweihung ist die Verschmelzung von Persönlichkeit und Seele zum Christus- oder Seelenbewusstsein. Sie ist die erste Hauptinitiation, der Zugang zur geistigen Wirklichkeit, dem Second-Tier. Das alltägliche Leben ist vollkommen auf der Mentalebene konzentriert, alle persönlichen Begrenzungen sind überwunden. Nun wird die Intuition empfangen, die von der Seelenebene kommt. Das Denken des seelenbewussten Menschen ist von Klarheit, Ruhe und Synthese geprägt.

Für die dritte Einweihung benötigt der Mensch fundiertes esoterisches Wissen, um die Energien und Kräfte zu verstehen, die hinter der physischen Welt wirken. Mit der Bewusstseinserweiterung und Schwingungserhöhung gehen tiefgreifende Veränderungen einher, das gesamte Nervensystem wird auf eine viel höhere Resonanzfähigkeit umgestellt.

Die Entfaltung der Kundalini-Energie, die als zusammengerollte Schlange am unteren Ende der Wirbelsäule beschrieben wird, hat eine kathartische Wirkung. Auf keinen Fall sollte man auf die Idee kommen, den Kundaliniprozess selbst auszulösen. Er entfaltet sich, wenn die Denkkraft stark genug ist. Die Entwicklung des Denkvermögens beschreiben wir im Beitrag Second-Tier Denken.

#4 Buddhische Ebene – die Kreuzigung

Vision: Weltendiener

Die vierte Einweihung ist die Befreiung von allem Selbstinteresse und dem Verzicht des persönlichen Lebens zugunsten eines höheren Zwecks. Das Leben eines Eingeweihten vierten Grades ist von großem Leiden und Opferbereitschaft gezeichnet. Er hat seine Persönlichkeit, Besitz, Freunde, Einkommen und Ansehen aufgegeben. Sogar das Seelenbewusstsein verliert an Bedeutung und ein universelles Gewahrsein stellt sich ein.

Das Durchschreiten der vierten Einweihung bewirkt die Befreiung vom Rad der Wiedergeburt. Die Hauptquelle der Führung für den Eingeweihten ist ab diesem Zeitpunkt die Monade oder ICH BIN Gegenwart. Der höhere und niedere Aspekt der inkarnierten Seele sind eins geworden, es wird vollkommene Harmonie erreicht zwischen dem, was oben ist und dem, was unten ist.

#5 Monadenverschmelzung

Nachdem die niedere gekreuzigt undDie fünfte Einweihung folgt

Aspekte der Einweihung

AufzählungszeichenDie erste Einweihung ist der Eintritt in die Halle der Weisheit. Sie ist die Universität, die als Meisters des Mitgefühls abgeschlossen wird. Der Eingeweihte ersten Grades hat den ersten Schritt in das Reich des Geistes getan und ist aus dem begrenzten Menschsein aufgestiegen.

AufzählungszeichenDas englische Wort für Einweihung ist Initiation und leitet sich vom lateinischen In= hinein und ire= gehen ab. Es bedeutet also einen Anfang machen, in etwas Neues einzutreten. Mit jeder Einweihung tritt man in den Körper der nächsthöheren Schwingungsebene ein.

AufzählungszeichenIm Gegensatz zu den Zielerreichungslogiken des Verstandes bedeutet Einweihung mit Entschlossenheit ins Unbekannte zu gehen. Es ist die Überzeugung von einer vorausliegenden Wirklichkeit, von der man keine Vorstellung hat, für die man aber jede Anstrengung unternimmt.

AufzählungszeichenEine Einweihung ist im abstrakten Sinne eine Prüfung. Der Weg beruht auf dem unermüdlichen Bemühen, redlich zu denken und zu leben, und führt zu einer Krisis, einem Wendepunkt. An diesem Punkt tritt eine Erweiterung des Bewusstseins ein. Nach der Einweihung muss die Bewusstseinserweiterung im Leben umgesetzt werden, und nach einiger Zeit kündigt sich die nächste Krise an.

AufzählungszeichenBei jeder Einweihung dringen Kraftströme verstehender Liebe und geistigen Willens in die Persönlichkeit, zunächst von der Seele, später von der Monade. Die höheren Kräfte bewirken den Aufstieg, der Mensch muss für seine Durchlässigkeit arbeiten.

AufzählungszeichenDie ganze Entwicklung ist ein fortschreitendes Einswerden. Dem Einssein geht immer ein Abwerfen und Opfern alles Trennenden voraus. Die Vereinigung wird nur durch die Vernichtung des Niederen und Begrenzenden erreicht.

AufzählungszeichenJede Seele muss ihre Erkenntnis in sich selbst finden. Das Studium von Weisheitssystemen gibt Orientierung, aber nur die eigene Kontemplation führt zur Erkenntnis. Erst wenn die Wahrheit in einem aufsteigt, wird sie wirklich erkannt und entfaltet ihre transformierende Kraft.

Jeder von uns wird am Glanz seines Lichtes erkannt.

Djwhal Khul

Das Wesen des Geistes ist Gewahrsein oder Bewusstsein allein.  Wird er jedoch vom Ego beherrscht, dann funktioniert er als Vernunft, Denken und Sinneswahrnehmung.  Für das kosmische Bewusstsein, das nicht durch das Ego begrenzt wird,  gibt es nichts von sich selbst Getrenntes, und es ist bloß gewahr.  Das ist, was die Bibel mit «Ich bin, der ich bin» meint.

Ramana Maharshi

Die spirituelle Selbsterkenntnis wird in drei Schritten erzielt, die zugleich drei Teile des einen Wissens sind. Der erste ist die Entdeckung der Seele, der geheimen seelischen Wesenheit, des göttlichen Elementes in uns. Die Inthronisation der Seele, des göttlichen seelischen Individuums an Stelle des Egos ist der erste Schritt der Selbstverwirklichung.

Der nächste Schritt ist, ist die Bewusstwerdung des ewigen Selbst in uns, ungeboren und eins mit dem Selbst aller Wesen. Diese Selbstverwirklichung befreit und macht allumfassend.

Der dritte Schritt ist die Erkenntnis des Göttlichen Wesens, das zugleich unser höchstes transzendentes Selbst ist, das Kosmische Wesen, die Grundlage unserer Universalität und der Gottheit im Inneren.

Fazit Seelenweg der Einweihungen

Der Seelenweg der Einweihungen führt zur völligen Übereinstimmung mit den Lebensgesetzen, die der Natur immanent sind. Indem man nicht mehr gegen die Gesetze verstößt, wird man frei. Leider ist das Wissen um den Weg zur Weisheit wenig verbreitet, obwohl es keine andere Erlösung geben kann, als die Wirklichkeit selbst zu erkennen. Wir haben die höchste Intelligenz als Bordmittel, wir müssen nur schlau genug sein, sie auch zu nutzen.